Seit vergangenem Mai ist es amtlich: Die Kaminstube in Schwarzenau hat eine neue Wirtin. Nun ja, wirklich neu ist Petra Zlabinger ja eigentlich nicht mehr im beliebten Traditionswirtshaus. Schließlich hat sie dort seit der Eröffnung im Jahr 1990 schon als Fünfzehnjährige mitgearbeitet. Und bis auf die kurze Pause, in der sie im Jahr darauf in Seefeld auf Saison war, war ihr Platz auch immer hier, an der Seite der Mutter, die das Gasthaus bis zu ihrer Pensionierung heuer führte.

 
„Und trotzdem“, sagt Petra Zlabinger, „obwohl eigentlich eh so ziemlich alles beim Alten geblieben ist, ist es doch jetzt ein anderes Gefühl für mich, hier Chefin zu sein.“ Auf dem neuen Schild über der Eingangstür steht nun Familie Zlabinger, denn Gatte Werner ist vor zehn Jahren in den Familienbetrieb eingestiegen und schupft das Service, während Petra kocht und die Küchenmannschaft dirigiert. Und das macht sie weiß Gott gut, denn die Kaminstube hat sich seit vielen Jahren einen Namen gemacht, vor allem bei all jenen, die typisch Waldviertler Wirtshauskultur wie Schweinsbraten mit Kraut und Knödel & Co. schätzen.
 
Dabei ist es nicht so, dass die Küche hier nur Traditionelles bietet, auch so Verlockendes wie Tagliatelle auf hausgemachtem Tomatenpesto und sogar vegane Gerichte werden da gekocht. „Aber wenn unsere Gäste das sehr gerne in der Karte lesen, bestellt werden dann doch wieder der Schweinsbraten und das Schnitzerl“, lacht die fröhliche Wirtin. Da gehen an einem Sonntag schon mal fünfzig Cordon Bleu-Portionen über die Budel.
Für Petra Zlabinger war eigentlich schon in der Hauptschule klar, dass sie den Berufsweg in die Gastronomie einschlagen wird. Ihr Vater betrieb schon damals ein Wirtshaus in Schwarzenau und ihre Mutter arbeitete seinerzeit im Gasthof des Onkels in Großhaselbach mit. Schon im zarten Alter von zehn Jahren half Petra mit viel Freude beim ›Würstelbegräbnis‹, bei Hochzeiten und großen Feiern mit und so war ihre Laufbahn eigentlich schon klar vorgezeichnet.
Ich bin ein rundum glücklicher Mensch
Früher war die Kaminstube lange Zeit verpachtet, aber als Petras Abschluss in der Kremser Tourismusfachschule bevorstand, begann die Familie mit vereinten Kräften das Wirtshaus für das eigene Tun vorzubereiten. Mutter, Tante und Tochter Petra eröffneten 1990 neu. Ein perfekter Zeitpunkt, denn zeitgleich wurde damals auch das Schloss Schwarzenau — vom einstigen Eigentümer vor dem Verfall gerettet und aufwändig restauriert — gleich gegenüber der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
 
Für die Familie war das eine großartige Fügung, denn schon während der Bauphase erfüllten die Arbeiter das Wirtshaus mit Leben. Große Ausstellungen wie die Kult & Magie, die sensationelle 200.000 Besucher nach Schwarzenau lockte, aber auch die Fahrrad- und die Puppenausstellung lockten viele Gäste an und bescherten der Familie damit goldene Zeiten zum Start.
 

Die geheime Schlossherrin

Petra Zlabinger wurde zum Sprachrohr vom Schloss und bot schon mit siebzehn Jahren Führungen durch die altehrwürdigen Mauern an. Mit den Jahren befasste sie sich immer intensiver mit der Geschichte von Schloss Schwarzenau und wusste bei ihren Führungen dann schon die eine oder andere historische Begebenheit zu berichten.
Seit sechs Jahren vertieft sich die Wirtin besonders in die Schlossgeschichte. Sie weiß viel über die Räume, die prachtvollen Stuckdecken und Wandgemälde zu erzählen und kennt das Schloss mit seinen verwinkelten Gängen und vielen Zimmern längst in- und auswendig.
 
Das Erdgeschoß des Schlosses bildet bis heute auch immer wieder den eleganten Rahmen für Hochzeiten und große Feste, so wie beispielsweise erst kürzlich das Benefiz-Event der Waldviertler Wein Weiber im großzügigen Innenhof gefeiert wurde.
 
Seit der Jahrtausendwende gibt es keine nennenswerten Verantaltungen mehr im Schloss Schwarzenau und die Räumlichkeiten dienen jetzt als Antiquitätenlager für den derzeitigen Besitzer. Aber die Kaminstube war nun längst etabliert und konnte auch ohne zusätzlicher Schlossgäste erfolgreich geführt werden. „Der Thayatal Radwanderweg führt ja hier vorbei und immer öfter kehren auch Radfahrer bei uns ein“, erzählt die frischgebackene Chefin, die sich an die Anfänge erinnert, als es noch sieben Wirtshäuser in der Gemeinde gab. Heute sind nur noch zwei davon geöffnet, was zwar Zeugnis für das bedauernswerte Wirtesterben ablegt, andererseits natürlich neue Kundschaft in die Kaminstube führt.  „Sogar aus Waidhofen kommen Gäste zu uns, vor allem für Hochzeiten und Familienfeiern ist unser großer Saal beliebter Anziehungspunkt in den umliegenden Gemeinden geworden.“

wie aus dem bilderbuch …

Petra und Werner Zlabinger betreiben mit der Kaminstube ein Wirtshaus wie es im Buche steht und darauf sind sie stolz: Schon morgens kehren hier die Frühstücksgäste ein, die Mütter treffen sich zum gemütlichen Kaffeeplausch, während sich einige Männer zum Frühschoppen an die Theke stellen. Zum Mittagstisch kommen Arbeiter von rundum und nachmittags beginnt schon langsam das Abendgeschäft. Es ist nicht nur der Hunger, der die Gäste in die Kaminstube treibt, hier wird Karten gespielt, da trifft man sich mit Freunden und sitzt abends gemütlich bei einem Glas Wein beisammen. „Das ist für mich echte Wirtshauskultur“, so die Wirtin. „Wo der Arbeiter neben dem Universitätsprofessor sitzt und diskutiert, wo die Gäste wissen, dass sie traditionelle Wirtshausküche und gemütliches Ambiente finden!“